Das Konzept

DAS KONZEPT BAUT AUF MEHREREN PRINZIPIEN AUF:

Das Prinzip der Dezentralisierung bedeutet, die Hausgemeinschaften organisieren sich im Wesentlichen selbst, etwa in der Frage, was sie täglich kochen. Dabei werden die Menschen ermuntert, ihre Interessen und ihren Gestaltungswillen so weit wie möglich einzubringen. Sie haben die Möglichkeit, an sinnhaften Alltagstätigkeiten teilzunehmen. Die Zubereitung des Essens findet nicht in einer Zentralküche statt, sondern dezentral in den Hausgemeinschaften in sogenannten Bewohnerküchen, die speziell darauf abgestimmt sind, dass die Bewohner/-innen sich mit Tätigkeiten, die sie noch ausführen können, in den Ablauf mit einbringen. Es sind Hauswirtschaftsräume vorhanden, in denen auch die persönliche Wäsche versorgt werden kann, sofern den Bewohner/-innen das noch selbst möglich ist. Andernfalls besteht selbstverständlich auch die Möglichkeit einer Wäscheabgabe.

Das Prinzip der festen Bezugspersonen (Präsenzkräfte) bedeutet, dass Mitarbeiter/-innen als so genannte Präsenzkräfte den größten Teil des Tages (Schichtbetrieb) anwesend sind und die Bewohner/-innen „ihrer“ Hausgemeinschaft bei der Organisation des Alltages unterstützt. Sie sind für soziale Betreuung, Hauswirtschaft und Grundpflege in gleicher Weise verantwortlich. Im pflegefachlichen Bereich werden jedoch die Tätigkeiten, wie z.B. die Behandlungspflege, von unserem hausinternen Pflegefachdienstdienst durchgeführt. Gemäß Heimpersonalverordnung beträgt der Fachkräfteanteil mindestens 50%.

Das Prinzip der Normalisierung wird durch eine familienähnliche Wohn- und Lebensform erreicht, der institutionelle Charakter des Lebens und Wohnens im Altenheim wird hierdurch reduziert und das „ganz normale Leben“ hält Einzug in das Haus.

Hausgemeinschaften sind Wohn- und Lebensformen, die grundsätzlich von allen pflegebedürftigen alten Menschen, also auch von den an Demenz erkrankten genutzt werden können. Gerade für diesen Personenkreis verspricht das Leben in der Hausgemeinschaft ein Mehr an Lebensqualität. So können die vertraute Umgebung, die begrenzte Zahl von Mitbewohner/-innen, der Einbezug in sinnvolle Alltagstätigkeiten und die vielfältigen Möglichkeiten, dem eigenen Bewegungsdrang zu folgen (beschützender Garten mit Zugang vom EG aus) zusammen mit einer sehr guten Beleuchtungs- und Belichtungssituation in den Gebäuden dazu beitragen, typische Symptome wie Weglaufgefährdung oder Desorientierung aufzufangen oder abzumildern. Hierauf wurde bei der architektonischen und ausstattungsmäßigen Umsetzung der Konzeption ganz besonderer Wert gelegt.

Insgesamt bietet das Leben in der Hausgemeinschaft durch die Bewältigung von Alltagsaufgaben und die sozialen Kontakte zu einem überschaubaren Kreis von Mitarbeitern/-innen und Bewohner/-innen einen anregungs- und abwechslungsreichen Rahmen. Dies kommt unserem Anspruch entgegen, vorhandene Fähigkeiten von Bewohner/-innen zu erhalten und zu fördern und verloren gegangene wiederzubeleben. Die Notwendigkeit, den eigenen Haushalt in Ordnung zu halten, beinhaltet eine sinnvolle und für die überwiegend weibliche Bewohnerschaft vermutlich auch altvertraute Tagesstrukturen.

Da aber das Leben in der Einrichtung nicht nur aus der Haushaltsführung besteht, werden zusätzliche Freizeit- und Beschäftigungsangebote zur Lebensqualität beitragen. Die Anwesenheit und intensive Beteiligung von Angehörigen am Leben der Hausgemeinschaften ist nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht, weil dies den familiären Charakter der Hausgemeinschaften weiter verstärkt. Auf Wunsch können sich die Bewohner aber selbstverständlich auch jederzeit in ihre eigenen Räume zurückziehen. Einrichtung und Ausstattung der Räumlichkeiten sollen in erster Linie Wohncharakter und keinesfalls den Eindruck von „Krankenzimmern“ in einer anstaltsähnlichen Struktur vermitteln.

Für das Personal bietet die Arbeit in unserer Einrichtung die Chance an der Entwicklung eines richtungsweisenden neuen Konzeptes für die Betreuung pflegebedürftiger Menschen mitzuwirken. Hierfür sind zunächst – wie in anderen Einrichtungen auch – gute fachliche Kenntnisse in den Bereichen Pflege, Hauswirtschaft und soziale Betreuung Voraussetzung. Entsprechend des Hausgemeinschaftskonzeptes werden diese fachlichen Kompetenzen allerdings in unkonventioneller Weise kombiniert. So sind die so genannten Präsenzkräfte im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes zugleich für die hauswirtschaftliche, pflegerische und psychosoziale Betreuung „ihrer“ jeweiligen Hausgemeinschaft bzw. der zehn bis dreizehn dazu gehörigen Bewohner/-innen verantwortlich. Konkret bedeutet dies, dass der/die betreffende Mitarbeiter/-in morgens für die Grundpflege und das Frühstück und im weiteren Tagesverlauf für die Planung, den Einkauf und die Zubereitung des Mittagessens zuständig ist und hierbei die Bewohner so weit als möglich integrieren soll. Gleiches gilt für das Abendessen und die Vorbereitung für die Nacht.

Ergänzt werden die Leistungen der Präsenzkräfte, die als feste und vertraute Bezugspersonen das tägliche Leben „ihrer“ Hausgemeinschaft organisieren, durch das Pflegefachpersonal im Hause, das allen vier Hausgemeinschaften rund um die Uhr (Schichtdienst) zur Verfügung steht und der ausschließlich mit examinierten Pflegefachkräften besetzt ist.

Eine enge Verknüpfung zwischen unserer gemeindlichen Einrichtung der Nachbarschaftshilfe „Hilfe von Haus zu Haus“, der „Sozialstation Radolfzell – Höri“ sowie zum „Hospizverein“ wird ausdrücklich angestrebt. Zielsetzung ist es, durch spezifische Maßnahmen Arbeitsplätze für Frauen im ländlichen Raum zu entwickeln und zu Verfügung zu stellen. Neben der ureigenen Tätigkeit als Präsenzkraft in der Einrichtung, ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten für die Nachbarschaftshilfe und der darin beschäftigten Personen ergänzend und unterstützend mit der Pflegeeinrichtung zusammenzuarbeiten. Daneben bietet es, gerade auch jüngeren Müttern und Frauen, geradezu ideale Voraussetzungen sich zu qualifizieren und entweder wieder in das Berufsfeld zurückzukehren oder sich neu zu orientieren. Aus einer engen Zusammenarbeit ergäben sich zusätzliche Vorteile für die Institutionen zum Wohl unserer Bürgerschaft und der Heimbewohner/-innen sowie auch der beschäftigten Mitarbeiter/-innen und es entsteht ein geradezu ideales Netzwerk an Hilfeleistungen und Hilfsangeboten für die gesamte Bevölkerung im ländlichen Raum.